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Digitale Souverenität durch Open Source Individualsoftware in der öffentlichen Verwaltung - Ein Leitfaden

Man stelle sich vor: Eine Schweizer Bundesbehörde, die mit einer veralteten Softwarelösung kämpft. Eine Lösung, die ihre Arbeit ausbremst. Kostspielig, unflexibel, eine Belastung für die Ressourcen. Doch was, wenn es einen besseren Weg gäbe? Eine Lösung, die für Sie geschaffen, transparent und völlig unabhängig ist? Willkommen in der Welt der Open-Source-Individualsoftware für die öffentliche Hand. Dieser Leitfaden bietet einen tiefen Einblick. In die Möglichkeiten. In die Vorteile. Aber auch in die Herausforderungen von Open Source im öffentlichen Sektor. Der Fokus liegt dabei auf der digitalen Souveränität der Schweiz. Die Vorteile sind vielfältig. Sie reichen von Kosteneffizienz bis hin zu mehr Sicherheit und Transparenz.

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Was genau ist Open Source Individualsoftware?

Open Source bedeutet: Der Quellcode der Software ist für jeden offen zugänglich. Jeder kann ihn einsehen und für eigene Weiterverwendung kopieren und anpassen. Anders als bei proprietärer Software, bei der der Code ein Geheimnis ist. Bei Open-Source-Software kann jeder Einblick nehmen, Anpassungen vornehmen und diese der Gemeinschaft unter Einhaltung der Vorgaben zur Verfügung stellen.  Individualsoftware ist ein Massanzug für eine Organisation. Präzise auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Jede Naht, jede Tasche, perfekt angepasst. Open-Source-Individualsoftware für die öffentliche Hand vereint diese Welten. Massgeschneiderte Lösungen. Mit offenem Code. Speziell für Behörden und öffentliche Einrichtungen. Das Schweizer Recht, insbesondere das Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung behördlicher Aufgaben (EMBAG), ermutigt Bundesbehörden, Open-Source-Software zu veröffentlichen. Um Transparenz zu fördern. Um Zusammenarbeit zu fördern.

Warum Open-Source-Individualsoftware für die öffentliche Verwaltung wählen?

Die Entscheidung für Open-Source-Software in der öffentlichen Verwaltung ist oft ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Viele Behörden sind an unflexiblen und überteuerten Systemen gefesselt und suchen einen Ausweg. Oft beginnt es klein. Mit Open-Source-Komponenten. Integriert in bestehende Systeme. Der Erfolg spricht sich herum. Das Bewusstsein für die Vorteile wächst. Wie der Wechsel vom Mieter zum Eigenheimbesitzer. Plötzlich die Freiheit. Die eigenen vier Wände nach Belieben zu gestalten. Die Nutzung von Open-Source-Software für die öffentliche Hand bietet zahlreiche Vorteile. Welche? Das wird im Folgenden näher erläutert.

Die Vorteile von Open-Source-Individualsoftware

Open Source in der öffentlichen Verwaltung bietet eine Vielzahl von Vorteilen. Von finanziellen Einsparungen. Bis hin zu mehr Sicherheit, Transparenz und Unabhängigkeit.

Kosteneffizienz: Mehrwert für Steuergelder

Einsparungen sind je länger je mehr enorm wichtig. Keine Lizenzgebühren. Das Geld fliesst stattdessen in die Weiterentwicklung, Anpassung und den Support der Software. Stellen Sie sich vor: Eine Gemeinde investiert das Geld, das sie früher für teure Lizenzen ausgab, in die Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur und kann am Ende der Laufzeit die Zusammenarbeit mit einem Anbieter auflösen und mit derselben Lösung zu einem anderen Anbieter wechseln. Die anfänglichen Kosten können höher ausfallen. Aber sie zahlen sich schnell aus. Und wenn dies gemeinsam getan wird, profitieren wir alle davon.

Unabhängigkeit und digitale Souveränität in der Schweiz

Digitale Souveränität Schweiz. Das bedeutet: die Kontrolle über den Programmcode, die eigenen Daten und Prozesse zu behalten. Mit Open-Source-Individualsoftware sind Behörden nicht länger von einzelnen Anbietern abhängig. Sie können die Software selbst anpassen und weiterentwickeln. Oder von anderen Anbietern betreuen lassen. Ein Kernpunkt der Digitalstrategie Schweiz. Sie zielt darauf ab, die digitale Souveränität zu stärken. Proprietäre Systeme führen oft zu einem „Vendor Lock-in“. Eine teure und unflexibel verlaufende Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter. Open Source befreit davon.

Transparenz und Vertrauen

Der offene Quellcode? Er ermöglicht die gründliche Prüfung der Software. Sicherheitslücken? Sie können schneller aufgespürt und geschlossen werden. Bürger und Experten? Sie können den Code einsehen. Das stärkt das Vertrauen in die Softwareintegrität. Besonders wichtig für Anwendungen, die sensible Daten verarbeiten. Oder kritische Infrastrukturen steuern.

Sicherheit durch Open Source

Man hört oft, dass Open Source unsicherer sei. Weil der Quellcode öffentlich ist. Hier ist jedoch das Gegenteil der Fall. Die grosse Community. Sie prüft den Code. Findet Sicherheitslücken schneller. Proprietäre Systeme hingegen können Sicherheitslücken jahrelang verstecken. Weil nur wenige Zugang zum Code haben.

Flexibilität und Anpassbarkeit

Open-Source-Individualsoftware ist exakt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Behörde zugeschnitten. Neue Funktionen werden schnell implementiert und von Ihnen gesteuert. Kein Warten, bis das Problem oder das Feature X von einem Drittanbieter behoben wird. Die Software ist an veränderte Rahmenbedingungen anpassbar. Diese Flexibilität ist in einer sich schnell wandelnden Welt unschätzbar wertvoll.

Förderung von Innovation und Zusammenarbeit

Open Source fördert die Zusammenarbeit. Zwischen Behörden, Entwicklern und Bürgern. Gemeinsam entstehen bessere Lösungen. Open-Source-Communities leben vom Teilen von Wissen und Erfahrungen. Diese Zusammenarbeit kann zu Innovationen führen, die sonst undenkbar wären. Die Endanwender werden von Anfang an in den Prozess einbezogen.

Langfristige Wartbarkeit

Der Quellcode ist offen. Die Software ist auch dann noch wartbar und weiterentwickelbar, wenn der ursprüngliche Entwickler nicht mehr verfügbar ist. Ein wichtiger Aspekt für die langfristige Planbarkeit. Für die Nachhaltigkeit von IT-Systemen in der öffentlichen Verwaltung.

Herausforderungen und wie man sie meistert

Jede Technologie hat ihre Tücken. Auch Open Source Individualsoftware. Aber diese Herausforderungen sind überwindbar. Wenn man sie kennt und angeht.

Mangelnde Expertise

Oft fehlt es an Know-how im Umgang mit Open-Source-Software. Hier gilt es, Kompetenzen aufzubauen. Entweder durch Schulungen. Oder durch die Zusammenarbeit mit externen Schweizer Open-Source-Experten wie zum Beispiel CS2. Der Austausch mit anderen Behörden, welche bereits Erfahrungen gesammelt haben, ist ebenfalls sehr hilfreich.

Anfängliche Kosten

Die Entwicklung von Individualsoftware ist oft teurer als der Kauf von Standardsoftware. Die langfristigen Vorteile Flexibilität und Unabhängigkeit überwiegen in der Regel. Fördermöglichkeiten, wie sie beispielsweise durch das Programm Digitale Verwaltung 2024-2027 angeboten werden, können die finanzielle Last zusätzlich erleichtern.

Sicherheitsbedenken

Es gibt oft Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Open-Source-Software. Dies ist unbegründet, wenn man die Software sorgfältig auswählt und bereits während der Entwicklung Massnahmen ergreift. Zudem regelmässig Sicherheitsaudits durchführt und die Software sowie die Infrastruktur durch Wartung aktuell hält. Klare Richtlinien sind für die Entwicklung und den Betrieb jeglicher Software, einschließlich Open-Source-Software, wichtig.

Kompatibilität

Die Integration von Software in bestehende IT-Systeme ist eine Herausforderung. Wichtig ist: Von Anfang an auf offene Standards und Schnittstellen setzen. Um die Kompatibilität zu gewährleisten. Eine sorgfältige Planung auf Basis der Analyse der bestehenden IT-Landschaft ist unerlässlich. Dies ist genau die Erfahrung, die CS2.ch seit 1997 in über 800 Projekten gesammelt und erfolgreich umgesetzt hat.

Open-Source-Lizenz für die öffentliche Hand

Die Wahl der richtigen Lizenz ist entscheidend für den Erfolg. Die Lizenz bestimmt, wie der Code verwendet, verändert und weiterverbreitet werden darf. Für die öffentliche Hand sind vor allem Lizenzen interessant, die die grösstmögliche Flexibilität und Unabhängigkeit gewährleisten. Es gibt verschiedene Arten von Open-Source-Lizenzen: permissive- und Copyleft-Lizenzen. Diese haben wir auch in unserer letzten Zweiblog.com Podcast Folge #21 zum Thema Open Source Software Lizenzen erklärt

Permissive Lizenzen (z.B. MIT, BSD, Apache 2.0)

Diese Lizenzen sind sehr liberal. Sie erlauben es, den Code zu kommerziellen Zwecken weiterzuverwenden, zu verändern und weiterzugeben, ohne den Quellcode offenlegen zu müssen. Ideal, wenn eine möglichst grosse Verbreitung gewünscht ist. Sprich die Lösung kann ohne grössere Abhängigkeiten in eigenen Software Produkten eingesetzt werden.

Copyleft-Lizenzen (z.B. GPL, AGPL)

Diese Lizenzen sind restriktiver. Sie verlangen, dass alle Änderungen und Erweiterungen des Codes ebenfalls unter derselben Lizenz veröffentlicht werden. Ideal, wenn sichergestellt werden soll, dass der Code auch in Zukunft offen bleibt und nicht in proprietäre Software integriert wird.

Die Wahl der richtigen Lizenz hängt von den Zielen und Anforderungen des Projekts ab. Im Zweifelsfall sollte man Expertenrat einholen. Das Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung behördlicher Aufgaben (EMBAG) verpflichtet die Behörden, Open-Source-Lizenzen zu verwenden, sofern keine zwingenden Gründe dagegen sprechen. Dazu gibt es auch entsprechende EMBAG Open Source Software (OSS) Checklisten, die bei der Umsetzung unterstützen.

Open Source im öffentlichen Sektor: Beispiele aus der Praxis

Zahlreiche Schweizer Behörden setzen Open Source Individualsoftware bereits erfolgreich ein. Einige Beispiele:

  • Stadt Zürich Open Data Katalog & Visualisierungen: Die Stadt veröffentlicht nicht nur Daten, sondern auch die Bibliotheken zu deren Visualisierung (auf GitHub).
  • Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz): Entwickelt und veröffentlicht verschiedene Softwarelösungen unter OSS-Lizenzen (wie BSD oder MIT), darunter Projekte wie und , oft in Zusammenarbeit mit internationalen Wetterdiensten oder Hochschulen (MeteoSwiss auf GitHub)
  • Bundesgericht - OpenJustitia: Dieses Projekt gilt als politischer Wegbereiter. Bereits 2011 veröffentlichte das Bundesgericht seine Gerichtsapplikation  unter einer OSS-Lizenz. Das Ziel war es, anderen Gerichten die kostenlose Nutzung der Software zu ermöglichen und Steuergelder zu sparen. Dies löste damals heftige politische und juristische Diskussionen über die Wettbewerbsneutralität aus, ebnete aber letztlich den Weg für das heutige EMBAG.

Diese Beispiele zeigen, dass Open-Source-Individualsoftware in vielen Bereichen der öffentlichen Verwaltung eingesetzt werden kann. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.

Podcast & Videoblog
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Open Source Software Lizenzen erklärt

Episode #21 – Dani und Erich sprechen über die Strategie «Digitale Schweiz 2026», den Fall Palantir, digitale Souveränität, Open-Source-Lizenzen und das neue EMBAG-Gesetz. Im Fokus stehen Risiken von Vendor-Lock-in, Chancen von Open Source sowie konkrete Handlungsoptionen für Unternehmen und Behörden.
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Individual-Software mit OpenSource: Effizienz steigern & Lizenzkosten drastisch senken

Episode #20 – Dani und Erich sprechen über den professionellen Einsatz von Social Media in Schweizer Unternehmen, neue E-Mail-Regeln für mehr Zustellbarkeit sowie den strategischen Nutzen von Individualapplikationen als Wettbewerbsfaktor.

Wie man anfängt: Ein Schritt-für-Schritt-Plan

Der Einstieg in die Welt der Open-Source-Individualsoftware kann überwältigend sein. Hier ist ein Plan. Der den Einstieg erleichtert:

  1. Analyse der bestehenden IT-Landschaft:
    - Welche Systeme sind im Einsatz?
    - Welche Probleme gibt es?
    - Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?
  2. Definition der Ziele:
    - Was soll mit Open Source erreicht werden?
    - Welche Vorteile werden erwartet?
  3. Auswahl eines geeigneten Projekts:
    - Welches Projekt eignet sich am besten für den Einstieg? Am besten mit einem kleinen, überschaubaren Projekt beginnen.
  4. Suche nach geeigneten Partnern:
    - Welche Experten können bei der Umsetzung helfen?
    - Welche Behörden haben bereits Erfahrung mit Open Source Software Entwicklung, Communities und Betrieb in der Schweiz?
  5. Erstellung eines Konzepts:
    - Wie soll das Projekt umgesetzt werden?
    - Welche Ressourcen werden benötigt?
    - Welche Risiken gibt es?
  6. Klären der Definition von Done:
    - Wie stellen wir sicher, dass keine Urheberrechtsverletzung unabsichtlich im Code eingebaut wird und die Lösung wirklich als Open Source Lösung publiziert werden kann?
  7. Umsetzung des Projekts:
    - Die eigentliche Softwareentwicklung.
  8. Test und Einführung:
    - Die Software wird getestet und in Betrieb genommen.
    - Kommunikation der Lösung
  9. Wartung und Weiterentwicklung:
    - Die Software wird regelmässig gewartet und weiterentwickelt.
    - Verarbeiten der Inputs durch die Community

Wichtig: Nehmen Sie sich Zeit und planen Sie sorgfältig. Der Einstieg in Open Source ist ein Lernprozess, der Zeit und Engagement erfordert. Wir von CS2 unterstützen Sie mit unserer langjährigen Erfahrung bei der Open-Source-Software-Entwicklung, der Lizenzwahl und dem Community-Building.

Open Source Individualsoftware: Ein Blick in die Zukunft

Open-Source-Individualsoftware wird in der öffentlichen Verwaltung zunehmend wichtiger. Die Vorteile sind klar: Kosteneffizienz, Unabhängigkeit, Transparenz, Sicherheit, Flexibilität sowie die Förderung von Innovation und Zusammenarbeit. Die Bundesverwaltung hat mit der Verabschiedung des Gesetzes über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung behördlicher Aufgaben (EMBAG) einen wichtigen Schritt getan, um Open Source zu fördern und die digitale Souveränität zu stärken.

Die Herausforderungen sind mit einem starken Partner wie CS2 überwindbar. Wenn man sie kennt und sie angeht. Dies erreicht man durch den gezielten Aufbau von Kompetenzen, die Zusammenarbeit mit externen Experten sowie der sorgfältigen Planung und Umsetzung von Projekten. Open-Source-Individualsoftware ist ein wichtiger Beitrag zur Modernisierung der öffentlichen Verwaltung. Es ist wie ein Puzzle: Jedes Teil, wie die Wahl der richtigen Lizenz, der aktive Einbezug der Community, trägt zum Gesamtbild der digitalen Souveränität bei.

Die Vision ist klar: eine öffentliche Verwaltung, die ihre IT-Systeme selbstbestimmt gestalten kann. Die transparent und vertrauenswürdig ist und ihren Bürgern innovative und effiziente Dienstleistungen bietet.

Fazit: Code für die digitale Souveränität der Schweiz

Open-Source-Individualsoftware für die öffentliche Hand ist mehr als nur Technologie. Es ist eine Philosophie und ein Weg zu mehr Unabhängigkeit, Transparenz und Innovation. Sie ermöglicht es Schweizer Behörden, ihre digitalen Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Und massgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen ihrer Bürger entsprechen. Ein Weg der Mut, Engagement und Lernbereitschaft erfordert sich aber lohnt!

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Open Source Individualsoftware bietet zahlreiche Vorteile für die öffentliche Hand. Darunter Kosteneffizienz, Unabhängigkeit, Transparenz und Sicherheit.
  • Die Wahl der richtigen Lizenz und der Einbezug der Community ist entscheidend für den Erfolg eines Open Source Projekts.
  • Der Einstieg in Open Source erfordert sorgfältige Planung, den Aufbau von Kompetenzen und die Zusammenarbeit mit Experten.
  • Open Source Individualsoftware wird in der öffentlichen Verwaltung immer wichtiger werden.

Es ist Zeit, die Chancen zu ergreifen und die digitale Souveränität der Schweiz zu stärken. Fangen Sie noch heute an!

FAQ zu Open Source Individualsoftware in der öffentlichen Verwaltung

Warum ist die Dokumentation des Quellcodes für die Wartung von Individualsoftware entscheidend?

Die Dokumentation des Quellcodes ist entscheidend, damit neue Entwickler oder alternative Dienstleister die Software ohne hohen Zeitaufwand verstehen und weiterentwickeln können. Bei Open Source Individualsoftware sichert eine saubere Dokumentation die langfristige Wartbarkeit und stellt sicher, dass das Wissen über die Funktionsweise der Behördenlösung nicht an einzelne Personen gebunden ist.

Welche Kostenfaktoren müssen Behörden bei Open Source Individualsoftware berücksichtigen?

Bei Open Source Individualsoftware entfallen zwar die regelmässigen Lizenzgebühren, jedoch müssen Behörden Kosten für die initiale Entwicklung, den sicheren Betrieb, Support-Dienstleistungen und das regelmässige Einspielen von Sicherheitsupdates (Lifecycle-Management) einplanen. Diese Kosten fliessen direkt in die Qualität der eigenen Lösung, statt in Gewinne von Software-Konzernen.

Wie erfolgt die erfolgreiche Einführung von Open Source Individualsoftware in öffentlichen Institutionen?

Die erfolgreiche Einführung von Open Source Individualsoftware erfolgt durch eine klare strategische Verankerung in der Organisation und die frühzeitige Einbindung von Stakeholdern. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die nicht nur die Entwicklung, sondern auch die langfristige Pflege (Maintenance) des Codes und die Interaktion mit der Open-Source-Community sicherstellen.

Welche Kriterien umfasst eine Make-or-Buy-Checkliste für Software in der Verwaltung?

Eine Make-or-Buy-Checkliste für die Verwaltung prüft primär die strategische Relevanz, die geforderte Anpassungsfähigkeit und die langfristigen Betriebskosten einer Software. Wenn spezifische gesetzliche Anforderungen in der Schweiz durch Standardsoftware nicht abgedeckt werden können, ist die Entwicklung einer Open Source Individualsoftware oft die wirtschaftlichere und zukunftssichere Wahl.

Welche Rolle spielt die Innovationskraft bei der Nutzung von Open Source in Schweizer Behörden?

Die Innovationskraft bei Open Source Software entsteht durch die kollaborative Zusammenarbeit, bei der verschiedene Behörden gemeinsam an einer Lösung arbeiten und Verbesserungen teilen. Schweizer Behörden profitieren von einem globalen Ökosystem, das Sicherheitsupdates und neue Funktionen oft schneller bereitstellt als dies bei geschlossenen Systemen der Fall ist.

Warum gilt Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung als besonders nachhaltig?

Open Source Software gilt als nachhaltig, weil sie die Mehrfachnutzung (Nachnutzbarkeit) von IT-Lösungen fördert und die Lebensdauer von Applikationen durch eine unabhängige Community oder verschiedene Dienstleister verlängert. Die digitale Nachhaltigkeit wird durch den offenen Wissensaustausch und die Vermeidung von redundanten Neuentwicklungen innerhalb der Schweizer Kantone und Gemeinden gestärkt.

Wie reduziert Open Source Software die Abhängigkeit von IT-Dienstleistern (Vendor-Lock-in)?

Open Source Software reduziert die Abhängigkeit von IT-Dienstleistern dadurch, dass der Quellcode frei zugänglich ist und somit jederzeit von anderen qualifizierten Dienstleistern oder internen IT-Abteilungen übernommen werden kann. Behörden behalten die Kontrolle über ihre Daten und die Roadmap der Softwareentwicklung, ohne an die Preispolitik eines einzigen Anbieters gebunden zu sein.

Welche Vorteile bietet Open Source Individualsoftware gegenüber proprietärer Standardsoftware für Behörden?

Open Source Individualsoftware bietet der öffentlichen Verwaltung volle digitale Souveränität, da keine Abhängigkeiten von einzelnen Software-Herstellern (Vendor-Lock-in) entstehen. Zudem ermöglicht Individualsoftware eine exakte Anpassung an spezifische gesetzliche Prozesse der Schweiz, während Lizenzgebühren entfallen und das Budget stattdessen in die Weiterentwicklung investiert werden kann.

Welche rechtlichen Ausnahmen verhindern die Veröffentlichung von Software-Quellcode in der öffentlichen Verwaltung?

Die Veröffentlichung von Software-Quellcode durch öffentliche Stellen kann unterbleiben, wenn dadurch die öffentliche Sicherheit gefährdet wird oder der Schutz von Geschäftsgeheimnissen Dritter nicht mehr gewährleistet ist. Auch bestehende Urheberrechte von externen Lieferanten, die nicht explizit an die Verwaltung übertragen wurden, können eine Open-Source-Freigabe verhindern.

Warum ist die Freigabe von Quellcode durch das Prinzip „Public Money, Public Code“ für Schweizer Behörden relevant?

Das Prinzip „Public Money, Public Code“ besagt, dass mit Steuergeldern finanzierte Software der Allgemeinheit als Open Source zur Verfügung stehen sollte, um Transparenz und Effizienz zu steigern. In der Schweiz wird diese Forderung durch neue Gesetze wie das EMBAG untermauert, damit entwickelte Lösungen von anderen Gemeinden oder Kantonen ohne erneute Lizenzkosten nachgenutzt werden können.

Welche Regelung trifft das DVG des Kantons Bern bezüglich Open Source Software?

Das Gesetz über die Digitale Verwaltung (DVG) des Kantons Bern erlaubt es Behörden seit 2023 ausdrücklich, Software als Open Source zur Verfügung zu stellen. Damit schafft das DVG eine klare Rechtsgrundlage für die gemeinsame Nutzung und Weiterentwicklung von Individualsoftware zwischen verschiedenen Verwaltungsstellen und Dritten.

Welche Bedeutung hat das EMBAG für Open Source Software in der Schweizer Bundesverwaltung?

Das Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG) verpflichtet die Schweizer Bundesbehörden seit 2024 dazu, den Quellcode von Software, die für die Erfüllung öffentlicher Aufgaben entwickelt wurde, als Open Source Software (OSS) freizugeben. Ausnahmen vom EMBAG bestehen nur dann, wenn Rechte Dritter oder sicherheitsrelevante Aspekte gegen eine Veröffentlichung des Quellcodes sprechen.

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