Dani: Aber wir haben es auch in der Aussichtsfolge 2026 schon diskutiert, verlieren wir dann nicht auch irgendwann die Kontrolle der Marke? Wenn Google auch wie Agentic Web die Buchung komplett übernimmt, dann verlieren wir auch die Kundendaten, respektive den Bezug zum Kunden. Wäre das nicht für unsere KMU-Welt fatal?
Erich: Nein, in diesem Ansatz mit dem UCP ist es so, dass die Datenhoheit beim Händler bleibt. Er hat die volle Hoheit über die Kundendaten. Das läuft nicht in einem Chatfenster, sondern kommuniziert mit einem Backend-System. So kann der Händler die ganze Gestaltung der Kundenbeziehung weiterhin beeinflussen.
Dani: Das Branding leidet, wenn ich das so höre, dementsprechend nicht. Die Schweizer Qualität lebt ja oft davon, dass man eben die exklusive Markenwelt, die man dem Kunden präsentiert, hier aufrechterhalten kann.
Erich: Ja, und das ist ein Unterschied, den das UCP im Vergleich zu dem Agentic-Commerce-Protokoll von OpenAI aufweist. Es gibt zwei Wege, wie man es nutzen kann. Der eine ist der native Weg, bei dem die Schnittstellen direkt miteinander kommunizieren, sodass das Chatfenster im Hintergrund mit einem Backend-System verbunden ist.
Der andere Weg ist der sogenannte Embedded Checkout. Dabei wird der Shop mittels eines iFrames innerhalb des Chatfensters abgebildet, sodass die entsprechenden Zusatzfunktionen oder die Waren visuell präsentiert werden können.
Dani: Somit nutzen wir die enorme Reichweite der Google-KI als neuen Sales-Kanal, wenn ich das richtig verstehe, während gleichzeitig die Identität des Anbieters geschützt bleibt. Das klingt insgesamt sehr effizient.
Erich: Ja, das ist eine skalierbare Infrastruktur, bei der die technologische Kraft im Hintergrund mit der Freiheit kombiniert wird, die ich als Unternehmen habe. Man ist dort präsent, wo der Kunde seine Fragen stellt und recherchiert.
Dani: Was sind aber die entscheidenden Schritte, um als Schweizer KMU sofort diesen Wettbewerbsvorteil zu erzielen und selbst zu generieren, sobald er verfügbar ist?
Erich: Surprise. Die Produktdaten müssen im Merchant Center oder für das Merchant Center optimiert werden. Nur Feeds im Merchant Center, die Option Native Commerce aktiviert haben, werden vom KI-Agent überhaupt für Transaktionen in Betracht gezogen.
Dani: Ja, gut. Einmal mehr steht Qualität als Fundament. Wie ermöglichen wir es dem Kunden, die Bezahlung vorzunehmen?
Erich: Hier kommt Native Checkout mit Google Pay. Google Pay muss integriert sein oder als Bezahloption vorhanden sein und zwar nativ integriert sein. Es gibt dann die Funktion Instant Buy, die ich direkt im Chat kaufen kann. Gerade der Mobile Bereich wird dazu führen, dass weniger Warenkorbabbrüche stattfinden werden, weil ich nicht in eine separate Payment-Applikation hineinspringen muss.
Dani: Und wie stellen wir sicher, dass wir nicht nur einmalige Verkäufe generieren, sondern eben auch trotzdem die Kundenbindung langfristig stärken können?
Erich: Dafür bietet das UCP-Protokoll beziehungsweise der entsprechende Guide ebenfalls eine Lösung. Es gibt dort eine Option mit der Bezeichnung Identity Linking via OAuth 2.0. Dabei handelt es sich um ein Autorisierungsprotokoll, das in der Technik sehr verbreitet ist und als Standard gilt.
Über dieses Verfahren können Informationen übermittelt und der Kunde identifiziert werden. Auf dieser Basis lassen sich individuelle Rabatte, Bonusprogramme oder andere Benefits direkt über die KI-Schnittstelle im Chatfenster zur Verfügung stellen.
Dani: Ui, das bedeutet, wir transformieren uns von der KI-Suche zu einem reinen Infokanal, zu einer voll integrierten Sales Power Machine für das Unternehmen. Das ist schon ein gewaltiger Sprung.
Erich: Es geht darum, präsent zu sein, wo der Kunde recherchiert, seine Informationen holt und die Entscheidungen trifft. Das ist immer mehr in den Chatfenstern. Wir haben AI-Mode, AI-Overviews von Google, das findet auch dort statt. Wir reden nicht nur über Gemini-Client und Chat-GPT-Client, sondern auch über die Google-Suche. Mit den dort verfügbaren KI-Tools gilt: Wer den kaufwilligen Kunden nahtlos die richtigen Angebote und die passenden Informationen bereitstellt, wird in Zukunft im E-Commerce-Markt vorne mitspielen.
Dani: Spannend, und man möchte am liebsten schon sehen, wie das im Einsatz läuft. Darauf sind wir gespannt, zumal es in den USA bereits möglich ist.
Erich: Auch bei uns ist das grundsätzlich möglich. Die Schnittstellen müssten eigentlich verfügbar sein. Zudem gibt es dort bereits bestimmte Kooperationen, etwa mit Mastercard, Visa und ähnlichen Anbietern, die ebenfalls stark vorantreiben. Ich gehe davon aus, dass wir als Markt vergleichsweise klein sind.
Für mich wird es eine Hausaufgabe sein, diese Spezifikation im Detail durchzulesen und sie mit einem Agentic-Commerce-Protokoll zu vergleichen. Ziel ist es zu verstehen, wie das technisch überhaupt funktioniert, damit wir daraus ableiten können, was wir unseren Kunden empfehlen und worauf sie den Fokus legen sollten. Was man jedoch sicher bereits angehen kann, sind die Live-Produkte.
Dani: Okay. Es wird einem nicht langweilig im 2026. Aber kommen wir schon zum Tooltip. Erich, was hast du heute mitgebracht?