Interview mit E-Commerce-Guru Thomas Lang

Unser aktuelles Magazin AM|START erscheint die Woche zum Thema “E-Commerce”. Wir haben einen der profiliertesten Kenner, Thomas Lang, Geschäftsführer der Consultingfirma Carpathia, zum Thema befragt. Hier ist das vollständige Interview.

Steigen wir doch gleich mitten ins Thema ein: Welches sind für Sie die aktuellen E-Commerce-Trends, über die man Bescheid wissen sollte?
Das muss man etwas differenziert angehen. Ich sehe aktuelle Trends auf verschiedenen Ebenen:

  • Ebene Geschäftsmodell wo verschiedene Erweiterungen des Konzepts geprüft werden, neue Sortimente evaluiert und neue Zielgruppen getestet. So bspw. dass sich B2C Händler verstärkt auch ins B2B Geschäft vorwagen. Oder Stationäre Händler die mutige Cross-Channel Konzepte einführen oder reine Online, die mit stationären Formaten experimentieren. Nicht vergessen dürfen gänzlich neue Business-Modelle wie neue Nutzungsformate wie Sharing, Flatrates und mehr.
  • Ebene Kommunikation wo der alleinige Onlinekauf oder noch profaner gesagt, die Darstellung des Sortiments mit Kaufmöglichkeit, nicht mehr genügt. Heute müssen Content, Community und Commerce viel stärker zusammen wachsen um Kompetenz, Emotionalität, Beratung und mehr in den digitalen Kanal zu bringen
  • Ebene Technik wo einerseits Mobile eine noch stärkere Rolle übernimmt, anderseits aber auch neue Konzepte wie Dynamic-Pricing oder Visualisierungen der Produkte (Video; 3D-Ansichten, virtuelle Anproben).

Welche dieser Trends werden sich langfristig durchsetzen und sich als Massstab etablieren? Was ist „the next big thing“ und welche Buzzwords sind für Sie hingegen nur von kurzfristigem Interesse?
Cross-Channel und die eigentliche Neuerfindung des stationären Handels wird sich v.a. für diesen schmerzhaft durchsetzen. Wir haben hier eine eigentliche digitale Revolution die Unternehmen auf den Prüfstand stellen. Hatte der Handel bis vor wenigen Jahren das Monopol über Sortiment, Information, Beschaffungswege etc. ist dies komplett zerfallen. Es gibt da eine eigentliche Machtverschiebung. Wer das nicht sehen will oder kann, ist ernsthaft gefährdet. Das grösste Buzzword erachte ich immer noch „Verkaufen über Facebook“ – klar verkauft man auch über Facebook. Aber keine Produkte sondern Kompetenz, Vertrauen, Meinungen die dann, wenn richtig konzipiert und in die anderen Kommunikationskanäle integriert, auch zu Umsatz führen werden, aber auf anderen Kanälen.

Gibt es technologische oder Design-Entwicklungen auf dem Markt, die momentan noch unterschätzt werden?
Content-Marketing im E-Commerce wird erst sehr zaghaft umgesetzt. Oft weil es an gutem Content fehlt oder man schon genug gefordert ist, überhaupt nur den Produktkatalog online zu bringen und die Prozesse abzudecken.

Viele Unternehmen tun sich schwer, ihr Offline- und Online-Aktivitäten unter einen Hut zu bringen. Was raten Sie ihnen?
Tatsächliche tun sich viele Verantwortliche hier schwer, sehen die Verbindung von Offline und Online in ihrem privaten Leben jedoch als selbstverständlich an wenn es um Reisebuchungen, Elctronic-Einkäufe und mehr geht. Hier muss man gedanklich oft etwas nachhelfen, dass dies auch für deren Kunden im Unternehmen selbstverständlich ist und man sich danach orientieren muss.

Wenn der Shop eines Kundes erstmal online ist, fängt der wichtigste Teil eigentlich erst an. Was sollte man beachten und tun, damit der Shop erfolgreich wird?
Wenn der Shop einmal online ist, ist es eigentlich schon zu spät. Das sollte man sich schon von Beginn weg genau überlegen, wie man das kommunikativ begleiten und nahtlos integrieren soll. Denn Fact ist, niemand hat auf den neuen Onlineshop gewartet. Hier sind vielschichtige Kommunikationsmassnahmen – offline wie online – gefragt und es gilt, sämtliche Register der MarKom zu ziehen. Wenn der Shop einmal online ist, dann sind es primär noch Optimierungsmassnahmen und Adjustierungen wie beispielsweise im Bereich Suchmaschinen-Optimierung.

Sie kennen die E-Commerce-Branche wie kaum ein anderer. Fallen Ihnen vermeidbare Fehler auf, die von uns Branchenteilnehmern (Agenturen, Entwickler, etc.) immer wieder gemacht werden?
Oh ja. Es wird viel zu oft in Funktionen und Technik gedacht und damit – notabene oft unbewusst – das natürliche Nutzerverhalten zurechtgebogen, damit es auf die Prozesse passt. Wir verfolgen einen komplett konträren Ansatz und lassen die Technik aussen vor so lange es geht. Prozesse und Anwendungen müssen sich am Nutzerverhalten orientieren und nicht umgekehrt.

Herr Lang, wir danken Ihnen für das Interview.

Stephan Graf

Über Stephan Graf

Stephan ist verantwortlich für Marketing und Business Development in der CS2.
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Eine Antwort zu Interview mit E-Commerce-Guru Thomas Lang

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